Wie die Versicherungsindustrie helfen kann, falls die Geldautomaten nicht mehr funktionieren

Black Swan

Der Schwarze Schwan

In der Welt der Finanzen geschieht das „Undenkbare“ recht regelmäßig (etwa alle 7-10 Jahre), und doch scheint man dort jedes Mal vollkommen überrumpelt zu sein, wenn es (mal wieder) soweit ist. Solche undenkbaren Ereignisse haben mittlerweile einen Namen. Sie sind „schwarze Schwäne“. Benannt wurden sie von Nassim Taleb in seinem Buch Der schwarze Schwan.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass diese Ereignisse an sich vorhersehbar sind. Denn vorhersehbar ist, DASS sie passieren werden – die Frage ist nur wann. Mittlerweile – im Nachhinein – ist es recht gängig geworden, die sich in 2007 und im Frühjahr 2008 in der Bankenindustrie zusammenbrauenden Probleme auch als solche anzuerkennen. Im Vorfeld schien allerdings niemand (zumindest in der Öffentlichkeit) sonderlich besorgt zu sein. Der Begriff „Too Big To Fail“ („TBTF“ – „Zu groß, um zu scheitern“) wurde in diesen Tagen selten genutzt. Heute ist er ein fester Bestandteil unseres Vokabulars.

Wenden wir unseren Blick auf 2016. Seitens des Finanzsektors (Banken, Versicherungen, Investmentfonds) gab es eine ganze Reihe selbstgefälliger Aussagen über die Ursachen der letzten Krise.  Es ist nun normal, über das verbesserte ‚Risikomanagement‘ zu sprechen oder sogar damit anzugeben, da es ja dafür sorgt, dass „so etwas nie wieder geschieht“.

Eine bedeutende Neuerung, über die gern gesprochen wird, war die Einführung von Regulierungen, denen zufolge TBTF-Banken nunmehr „Bankentestamente“ als Teil ihres Risikomanagements benötigen. Diese sollen – wenn sie in einer Krise in der echten Welt umgesetzt werden – dafür sorgen, dass im Falle der Insolvenz einer ‚systemrelevanten‘ Institution keine Ansteckungswirkungen auftreten:

Wie aus dem unterhalb verlinkten Artikel hervorgeht, befassen sich Risikomanager noch immer mit längst vergangenen Problemen, für die sie Lösungen suchen. Der Umstand, dass diese Probleme noch nicht ansatzweise so bedrohlich sind, wie eine ganz andere Gefahr, wird dabei übersehen:

Wenn Sie der leitende Risikomanager (CRO) eines Unternehmens sind, ist es recht einfach, Ihren Vorgesetzten zu erklären, dass Sie sich um ein Problem gekümmert haben, dessen Auswirkungen in der echten Welt bereits Geschichte sind. Sie befassen sich mit einem Szenario, das bereits stattgefunden hat, machen dann Stresstests Ihres Unternehmens für dieses Szenario (und ein paar, die noch ein wenig ernster sind) und erstellen selbstzufrieden eine PowerPoint-Präsentation, die zeigt, wie gut Ihr Unternehmen mit seinen Risiken umgeht.

Ihren Chefs die ungeschönte Wahrheit zu sagen, ist etwas anderes:

„Ich wälze mich jede Nacht im Bett. Ich mache mir um die IT-Infrastruktur Sorgen, da sie nicht nur unser Unternehmen, sondern die gesamte Weltwirtschaft ruinieren könnte. Es ist unerlässlich, dass wir Millionen investieren, um unsere Technologien zu verbessern und unsere verschiedenen Systeme zu integrieren.”

Das Aussprechen der Wahrheit ist allerdings auch eine geeignete Methode, um sich selbst schnell arbeitslos zu machen.

Geliefert„Nun, in einer ganzen Reihe von Szenarien führen unsere Modelle zu mehr oder weniger demselben Ergebnis…“

Das fragliche Szenario wird im Guardian-Artikel (Link oben) beschrieben: Ein bedeutendes Versagen der IT-Infrastruktur einer bedeutenden Bank oder ein durch einen Cyberangriff verursachtes, weitreichendes Versagen des elektronischen Finanzsystems.

Im September 2008 wurden wir Zeugen davon, wie das Scheitern lediglich einer systemisch bedeutenden Institution einen Dominoeffekt auslösen kann – als die Lehman Brothers insolvent wurden. Doch was geschieht, wenn gleichzeitig bei mehreren großen, multinationalen Finanzinstituten die IT-Infrastruktur versagt?

Ich habe beinahe zwei Jahrzehnte als Versicherungsstatistiker gearbeitet. Das Handhaben von Risiken ist angeblich ein bedeutender Teil meines Berufs. Wie aus dem Artikel klar wird, kann ein Investitionsmangel bei der IT-Infrastruktur dazu führen, dass ein System über einen längeren Zeitraum komplett ausfällt. Dies bedeutet auch, dass es durch verschiedene Formen von Cyberangriffen auf einfache Weise sabotiert werden kann. Dies ist ein GEWALTIGES Systemrisiko… und wo waren bisher die Gelder, um dieses einzudämmen? Wo sind die Arbeitsgruppen und Experten, die die Probleme überalterter IT-Infrastrukturen identifizieren und lösen? Und natürlich: Wer hat dafür gesorgt, dass die Betreiber-Institutionen Rechenschaft darüber ablegen müssen, sich dieser systemischen Bedenken anzunehmen?

Es ist traurig aber wahr: Eine wirkliche Lösung dieser Probleme ist nicht gewollt. Unter der gegenwärtigen Führung gibt es nur Geld für „Heftpflaster“, damit nichts Wichtiges kaputtgeht. Der Druck, kurzfristig finanziell erfolgreich zu sein, führt dazu, dass für kommende ‚geschichtsträchtige Ereignisse‘ nicht vorgesorgt wird. Dies gilt insbesondere für die Umsetzung proaktiver Maßnahmen zur Verhinderung lawinenartiger Ansteckungswirkungen, die die Wirtschaft eines ganzen Landes, Kontinents oder der gesamten Welt unter sich begraben.

Daher ist es erforderlich zu erwägen, was im Rahmen der realen Möglichkeiten liegt, anstatt sich auf die Ergebnisse der konstruierten Struktur eines Stresstest-Modells zu verlassen. Denn hier stehen Leben auf dem Spiel – nicht bloß Zahlen auf einem Blatt Papier. Wenn sich ein Problem ausweitet (zum Beispiel auf einen ganzen Kontinent) und lang genug andauert, kann es zu einem vollständigen gesellschaftlichen Kollaps führen.

Für mich als Statistiker, der das Verwalten von Risiken als berufliche Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit sieht, ist die glanzlose Reaktion der Verantwortlichen und Regulatoren unbegreiflich. Ein bedeutender Teil meiner Ausbildung bestand aus der Demonstration der gesellschaftlichen Bedeutung des Schutzes von Wohlstand – nicht nur für die Kunden des eigenen Arbeitgebers, sondern für die Gesellschaft als Ganzes.

Ein Systemversagen des elektronischen Finanzsystems – selbst wenn es nur einen oder zwei Tage dauert – hätte katastrophale Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihren Wohlstand. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine machbare Alternative benötigen, die schnell und flächendeckend eingesetzt dafür sorgt, dass der Handel fortgesetzt werden kann. Das Mindeste wären unverzichtbare Vorräte und Dienste, wo sie benötigt werden.

Wenn wir es schaffen, den erforderlichen Mindesthandel durch kreative und dennoch legale Mittel nach den Prinzipien des Versicherungswesens sicherzustellen, erreichen wir das oberste Ziel: Leben zu retten und Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Selbst für diejenigen, denen in einer solchen Krise Geld wichtiger ist als ihre Mitmenschen, wäre dies nützlich, denn der Erhalt des Vertriebssystems böte für sie erhebliche finanzielle Anreize. Denn: Wenn die Zivilisation zum Teufel geht, was nutzt ihnen dann der tollste Ertrag? Sie werden wahrscheinlich alles verlieren – einschließlich ihres Lebens. Ein erträglicher Verlust durch einen Anteil an der Last, den Handel aufrechtzuerhalten hingegen, ist diesem – was den Ertrag angeht – haushoch überlegen.

Die letzten Zeilen habe ich natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern geschrieben. Sollte ein solches Szenario Wirklichkeit werden, ist es absolut unerlässlich, Ertragszahlen und Kontenstände angesichts des Ausmaßes der Krise schlicht zu vergessen. In diesem Artikel geht es darum, ein obskures Versicherungsprodukt zu nutzen und so zu modifizieren, dass es in einer schwierigen Übergangsphase der Allgemeinheit dient. Die Finanzen müssen den Menschen dienen – und nicht andersherum.

TellerrandÜber den Tellerrand schauen

In dem folgenden Artikel wird ein solcher Angriff auf mehrere Institutionen ausführlich besprochen, und die Vorschläge eines Regulators werden vorgestellt. Seit der folgende Artikel im Februar 2015 erschien, scheint es jedoch keine größeren Initiativen gegeben zu haben, neue Regulationen einzuführen:

http://www.usatoday.com/story/money/business/2015/02/25/lawsky-goldman-sachs-banks/23995979/

All dies bezieht sich natürlich nicht nur auf die USA, wie der folgende Artikel zeigt. Auch hier: keine bedeutenden Initiativen seit der Veröffentlichung.

http://pubdocs.worldbank.org/pubdocs/publicdoc/2015/5/285251432913965615/Cyber-Preparedness-Seminar-Working-Paper-May-2015.pdf (der ursprüngliche Link existiert nicht mehr)

CyberPreparednessSeminarWorkingPaperMay2015 (PDF-Download des obigen Links)

Was an dieser Stelle behandelt wird, ist schlicht mehr Selbstständigkeit beim eigenen Erkennen und Handhaben von IT-Risiken. Für den Fall einer ausgewachsenen Krise kommen wirklich neuartige Vorgehensweisen nicht infrage. Die Lösung, die ich vorschlage, ist wahrscheinlich einfacher umzusetzen als Kriegsrecht, sicherer für die Bevölkerung und wahrscheinlich letzten Endes bedeutend günstiger, wenn sich alle Akteure schnell und gütlich einigen. Sie erfordert keine Waffen, Zapfenstreiche oder Armeerationen. Stattdessen beruht sie auf Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Gesellschaft und basiert auf einer Art von Schaden/Unfall-Versicherung, der Betriebsunterbrechungsversicherung. Doch geht es hier um weit mehr, als normalerweise von einer solchen Police abgedeckt wird. Die Gründe hierfür werden im Folgenden klar. Für grundlegende Informationen über die Funktionsweise einer BUV, lesen Sie bitte diese Artikel:

Zudem stellen die folgenden Artikel interessante Konzepte bezüglich der Auswirkungen von Zivilbehörden vorgeschriebener Maßnahmen, der Zusammenarbeit von Zuständigkeitsbereichen und letztlich der Rolle der Versicherungsindustrie in der Gesellschaft selbst vor:

Unter diesen Links finden Sie bereits eine Menge Informationen zum Verarbeiten. Zusammenfassend habe ich sie hier hauptsächlich erwähnt, um die These zu stützen, dass „die Versicherungsindustrie für den Handel in unserem modernen Wirtschaftssystem unerlässlich ist, und als Industrie die Verantwortung hat, dem öffentlichen Interesse zu dienen.“

Eine offensichtliche Begleiterscheinung hiervon ist, dass Versicherer oft haftbar sind, wenn das „Undenkbare“ geschieht – entweder durch direkten, finanziellen Schaden oder indirekten Schaden an ihrem Ruf, sollten sie Ansprüche erfolgreich abwehren („Geht nicht zu dieser Versicherung, denn DIE bezahlen nicht!“). Zudem: Wenn das elektronische Finanzsystem weltweit nur für ein paar Tage ausfällt, was wären die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen? Wenn die verschiedenen Systeme nach und nach wieder online sind, könnte eine weltweite Depression die letzte Folge sein. Der gesamte Finanzsektor wäre fortwährend in Bankrotte, Zwangsfusionen/Übernahmen (wie Geithners „Zwangshochzeit“ von Bear Stearns & J.P. Morgan im März 2008) oder Rechtsstreitigkeiten verstrickt, die Ressourcen fressen, die man besser dafür eingesetzt hätte, die Wirtschaft der echten Welt aus einer Krise zu holen.

Angesichts dieser möglichen Auswirkungen eines Infrastrukturausfalls des elektronischen Finanzsystems auf breiter Ebene wäre es wahrscheinlich besser, ein wenig über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Eine Alternative zu einem vollständigen gesellschaftlichen Zusammenbruch wäre dies allemal.

Im nächsten Abschnitt geht es darum, wie Bagel & Betriebsunterbrechungsversicherung die Welt vor einer Krise bewahren.

Bagel„Einen Penny für deine Gedanken, und einen Bagel für deine Ehrlichkeit“

In 2005 erschien das Buch Freakonomics, und es stellte einiges an konventionellem Wissen über Mikroökonomie auf den Kopf. Eine bemerkenswerte Geschichte um Paul Feldman, auch bekannt als der „Bagel-Mann“, erlaubte einem besonders eindrückliche Einblicke in den Verstand von Konsumenten.

Unter diesen Links werden die Ergebnisse von Feldmans Wirtschaftsexperiment detailliert beschrieben.

Das Experiment zeigte in Prozenten, wie ehrlich Kunden bei Zahlungen nach dem Ehren-Prinzip waren. Paul Feldman lieferte jeden Tag Bagels und ein Holzkästchen für deren Bezahlung. Um die Mittagszeit sammelte er die Holzkästchen mit dem in ihnen enthaltenen Geld ein. Natürlich kam er bei den Zahlungen nicht auf 100%. Allerdings erreichte er Raten von 87% und höher. Das oben erwähnte YouTube-Video zeigt ab 1:37, dass die Zahlungen nach dem 11. September 2001 um 2% stiegen – und bis mindestens zur Erstauflage des Buches 3-4 Jahre später auch höher blieben.

Dies wurde durch ein System der Zahlung am gleichen Tag – innerhalb von 4-6 Stunden – nach dem Ehren-Prinzip erreicht, ohne weiteren Zeitaufwand für mehrere Versuche, die fehlenden 11 – 13% einzufordern. Damit er einen Verdienst hatte, den er als fair einschätzte, musste er lediglich einen Aufschlag erheben, um die 13% an Zahlungsausfällen auszugleichen.

Hier nun einige interessante Faktoren, die die Zahlungen beeinflussten:

  • Ein die Gesellschaft (vorübergehend) verbindendes Ereignis wie der 11. September führte zu verlässlicherer Bezahlung.
  • Kleinere Büros (gemessen an der Zahl der Angestellten) zahlten verlässlicher.
  • Besser bezahlte Angestellte, wie z.B. Führungskräfte, hatten mehr Zahlungsausfälle.
  • Schlechtes Wetter führte zu schlechteren Prozentsätzen bei den Zahlungen, und ungewöhnlich gutes Wetter führte zu Prozentsätzen, die über den Durchschnitt hinausgingen.
  • Mit Feiertagen als Referenz ließ sich beobachten, dass relativ entspannte Phasen, was individuellen Stress angeht, zu höheren Zahlungsraten führten.  Dies war an ‚langen Wochenenden‘, wie dem Memorial Day und Labor Day besonders ausgeprägt. Dem entgegen verzeichnete er an Feiertagen wie Thanksgiving und Weihnachten niedrigere Zahlungsraten.
  • Wenn die Kunden wahrnahmen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden („Kein Bagel“-Beispiel im YouTube-Video, s.o.), stieg die Wahrscheinlichkeit ordentlicher Zahlungen deutlich an. Dies funktioniert analog zum Einsatz von Vogelscheuchen zur Abschreckung.

Diese Fakten sind äußerst relevant, denn hier zeigen sich:

  • Eine potenzielle Alternativlösung, die Händlern und Großhändlern das nötige Vertrauen gibt, um ihre Geschäfte weiterhin zu öffnen. Dies wäre eine flächendeckende Umsetzung der Prinzipien einer BUV, um Dritte als letztverantwortliche Zahler, als Mittel zur Schaffung von Vertrauen einzuführen, damit auf faire und legale Weise Handel getrieben werden kann.  (Anmerkung des Autors: Für die Struktur eines solchen ‚Drittzahlers‘ gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Für diesen Artikel nehmen wir an, dass die Finanzierungsquellen für dieses Sicherheitsnetz von Gebiet zu Gebiet andere sein können, aber allesamt von Zivilbehörden umgesetzt würden – ohne Kriegsrecht.)
  • Die wichtigsten Informationen über das Konsumentenverhalten, die genutzt werden können, um die vorgeschlagene Alternative finanziell und logistisch machbar, schnell und flächendeckend umzusetzen.

In dem von mir beschriebenen Szenario des Versagens der Infrastruktur könnte das elektronische Finanzsystem über einen Zeitraum von Tagen oder sogar Wochen ausfallen. Während sich die Dynamiken des Kundenverhaltens über einen längeren Zeitraum wahrscheinlich verändern würden, ist das generelle Grundprinzip der Einsatz eines Ehren-Prinzips anstelle einer Zahlung beim Kauf – wobei die große Mehrheit aller Leute ihre potenziellen Einkäufe auch bezahlen. Längere Zeiträume können sogar dazu genutzt werden, weitere Versuche zu unternehmen, mit säumigen Kunden in Kontakt zu treten, wodurch die Zahlungsrate letzten Endes noch einmal deutlich gesteigert wird.

Die Methode einer schnellen und flächendeckenden Umsetzung ist die primäre Dokumentierung jeder finanziellen Transaktion als eine Form einer Bezugsschein-Währung: der Quittung.

https://en.wikipedia.org/wiki/Scrip

[Hinweis: Unter diesem Link schlagen wir einen Bezugsschein vor, der genutzt werden könnte. Lesen Sie auch hier: Ein Plan für Produzenten, Groß- und Einzelhandel zur Aufrechterhaltung der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern . Er kann für den Fall vorübergehender Störungen der Energie- und Kommunikationsnetze hilfreich sein. Er kann für Ansprüche bei nicht erfolgten Zahlungen genutzt werden.]

Im nächsten Abschnitt wird beschrieben, wie dies in einer koordinierten, schnellen Weise von Zivilbehörden, regionalen Geschäftsleuten und Politikern umgesetzt werden kann.

EinfachtutSo funktioniert es – Quittungen als Bezugsschein-Währung

Dieser Abschnitt beschreibt die grundlegenden Prinzipien individueller Transaktionen für Händler, Großhändler und alle anderen Handelsformen, in denen Güter und Dienste gegen Bezahlung in einer akzeptierten Währung innerhalb eines Hoheitsbereiches geliefert werden. Bitte beachten Sie, dass diese Prinzipien nicht „in Stein gemeißelt“ sind. Verbesserungen und Modifikationen an den hier beschriebenen Grundkonzepten können erforderlich sein, um das Ziel zu erreichen: den Handel innerhalb eines Hoheitsbereiches auf friedliche und gerechte Weise aufrechtzuerhalten.

Ideen zur Umsetzung – Händler

    • Eine einfache Zahlungsweise als Geldersatz.
    • Fertigen Sie zwei identische Quittungen aus (bzw. eine Quittung mit Durchschlag). Diese fungieren quasi als Schuldschein, wobei sich der Käufer verpflichtet, alle empfangenen Waren zu zahlen, sobald elektronische Transaktionen wieder möglich sind.
    • Der Kunde datiert und unterschreibt beide Ausfertigungen, der Kassierer paraphiert (unterschreibt mit seinen Initialen) und datiert.
    • Für Einkäufe ab einem gewissen Wert – zum Beispiel 50 € – muss der Kunde Kontaktdaten wie Anschrift, Telefonnummer oder Email-Adresse angeben.
    • Alle Quittungen, für die keine Zahlungen eingehen, werden als Forderungen bei der BUV eingereicht. Wenn solche Fälle von einer Handelspolice nicht abgedeckt werden, kann die Entschädigung über Drittzahler erfolgen (siehe „Anmerkung des Autors“ weiter oben).
    • Online-Transaktionen für Bestandskunden: In Situationen, in denen Kunde und Online-Händler bereits eine Geschäftsbeziehung eingegangen sind, können Zahlungen einfach dann erfolgen, wenn das Finanzsystem wieder funktionstüchtig ist. In anderen Worten bliebe hier alles beim alten, da Kontendaten und Kartendaten bereits ausgetauscht wurden.
    • Online-Transaktionen für neue Kunden: Das Bearbeiten von Aufträgen neuer Online-Kunden wäre unmöglich, da eine Prüfung von Kontodaten unmöglich wäre, wenn die Banken geschlossen und finanzielle Transaktionen unmöglich sind. Wenn ein Händler bereit wäre, dennoch neue Kundendaten anzunehmen, könnte er die neuen Kontodaten direkt mit dem Kundendienst der jeweiligen Bank abgleichen.

Ideen zur Umsetzung – Großhändler und andere gewerbliche Transaktionen

  • Diese sind etwas einfacher umzusetzen, da Händler und Kunde wie gehabt Kreditoren und Debitoren sind, und alle Transaktionen regulär erfasst werden. Verkäufe wären einfach Krediterweiterungen, deren Rückzahlung vorgenommen wird, sobald elektronische Finanztransaktionen wieder möglich sind. Jedes Unternehmen wäre für die Entwicklung eigener Vorschriften bezüglich der erforderlichen Dokumentation, der Vergabe von Krediten sowie weiterer logistischer Erwägungen und deren Übersendung an ihre Geschäftspartner verantwortlich.
  • Ein wichtiger Punkt hierbei wäre ein vorübergehendes Aussetzen von Insolvenzen, die durch Probleme beim Geldfluss verursacht werden können. Alle Unternehmen wären so lange zu betreiben, bis sämtliche nicht erfolgten Transaktionen der Ausfall-Phase nachgeholt wurden, bzw. eine Entschädigung über eine Versicherung (BUV) oder Zahlung durch Drittzahler erfolgt ist. Wenn diese Vorgänge abgeschlossen sind, können Insolvenzanmeldungen im regulären rechtlichen Rahmen mit all ihren Folgen wieder vorgenommen werden.

Erwägungen bezüglich der flächendeckenden Koordination und Umsetzung

Wichtigste Akteure (alle sind wichtig, die Reihenfolge stellt keine Abstufung dar)

  • Volksvertreter (Bürgermeister)
  • Gesetzgebung (Stadtrat)
  • Handelskammer
  • Gremien zur Regulierung von Versicherungen (Beispiele: USA> NAIC & State Insurance Commissioners, Kanada> OSFI, Großbritannien> FSA, EU> Europäische Kommission, Australien> APR)
  • Versorgungsbetriebe

Hinweis: Obwohl sie nicht spezifisch für den Erhalt des Vertriebssystems zuständig wären, könnten Polizei und gegebenenfalls bestehende Nationalgarden Hilfeleistungen wie das Leiten wichtiger Versorgungskonvois oder die Verteilung von Nahrung, Wasser und Medikamenten unterstützen, wo es erforderlich ist. Ein besonders besonnenes Vorgehen würde hierbei helfen, Befürchtungen bezüglich eines möglichen Kriegsrechts erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Erforderliche Ressourcen – unmittelbar

  • Zusätzliche Kassierer im Handel
  • Freundliche, präsente Kundenbetreuung im Handel mit eingehender Interaktion. Hierdurch werden möglichst alle Transaktionen auf eine persönliche Ebene gebracht und die Kunden verbal darin bestärkt, ihre ausstehende Bezahlung als bürgerliche Pflicht anzusehen.
  • Zeitweise Verstärkung für die Buchhaltung
  • Aufnahme öffentlicher Mitteilungen, die in sämtlichen Medien verbreitet werden
    • Erklärung der Situation in Begriffen, die jeder verstehen kann
    • Information der Bevölkerung darüber, was von Einzelnen wie auch Unternehmen benötigt wird
    • Bestärkung von Unternehmen, weiteres Personal zu stellen, um lange Abwicklungszeiten zu vermeiden
    • Rekrutierung von Freiwilligen für weitere Unterstützungsleistungen wie Fürsorge für Senioren und Behinderte oder die Teilnahme an Nachbarschaftswachen zur Verhinderung von Verbrechen.
    • Schaffung einer öffentlichen Aufsicht zur Verhinderung von Preistreiberei und unlauteren Absprachen. Eine Idee hierzu wäre, dass Kunden, die per „Bezugsschein“-Quittung zahlen, 5% oder 10% Preisaufschlag zahlen. Auch könnte Kunden, die mit Bargeld oder zum Beispiel Silbermünzen zahlen, 5% Rabatt eingeräumt werden.
    • Aufrufe zu Spendenaktionen, Tauschtreffen, straßenweiten Garagenverkäufen sowie Direkt- und Tauschhandel, um sicherzustellen, dass der Bedarf an nötigen Gütern möglichst lückenlos gedeckt wird.

Erforderliche Ressourcen – langfristig

  • Personal mit Erfahrung im Prüfen und Bearbeiten von Versicherungsansprüchen
  • Wirtschaftsprüfer zum Entlarven gefälschter Ansprüche
  • Zeitweise Verstärkung für die Buchhaltung
  • Verstärkte öffentliche Aufsicht zur Prüfung gemeldeter Vorfälle von Preistreiberei und unlauterer Absprachen.

Sollte sich herausstellen, dass bestimmte Parteien während des Ausfalls des Finanzsystems Schäden verursacht haben, kann eine Rechtsübernahme vollzogen werden, um Wiedergutmachung für Verluste Einzelner, von Unternehmen und Regionalverwaltungen einzufordern. Auch könnten Ausgleichskassen eingerichtet werden, ähnlich jenen, die mitunter Folge von Sammelklagen sind.  Für einen solchen Fall muss sichergestellt werden, dass nur qualifizierte, lautere Personen die Verteilung von Geldern vornehmen und beaufsichtigen.

Schlussgedanken

Dieser Artikel beschreibt das Szenario einer beispiellosen und lähmenden, großflächigen Finanzkrise, die vom Versagen der IT-Infrastruktur oder durch einen Cyberangriff ausgelöst wird. Die weiter oben beschriebenen Schritte stellen einen grundlegenden Plan dar. Es kann als sehr wahrscheinlich angesehen werden, dass je nach Region, Kultur, Rechtssystem oder anderen einmaligen Umständen, die oben nicht erwähnt werden, deutliche Veränderungen hieran erforderlich sind.

Das wichtigste Anliegen dieses Artikels ist es, deutlich zu machen, dass es auch für solche Szenarien gangbare Lösungen gibt. Der Schlüssel dazu ist es, die Nase vorn zu haben und gewappnet zu sein. Für den Erhalt des öffentlichen Vertrauens wird es erforderlich sein, dass die Zivilverwaltung und führende Geschäftsleute schnell zu Einigungen bezüglich der Entwicklung gangbarer Lösungen kommen, diese klar und sicher über die Medien kommunizieren – und umsetzen. Wenn dies gelingt, werden soziale Unruhen minimiert, und die vorhandenen Ressourcen können für die Verteilung von Gütern und Diensten eingesetzt werden statt für den Erhalt von Recht und Ordnung. Der Erhalt der öffentlichen Ruhe während der ersten 48-72 Stunden sollte sicherstellen, dass auch der Rest der Ausfallzeit ruhig und geordnet abläuft.

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